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Mein Mann, die Bananenstaude – ITB Berlin im Zeichen Indiens

März 8th, 2007 · Keine Kommentare

(Foto: Messe Berlin)
(Foto: Messe Berlin)
JÖRG WACHSMUTH | Neues gibt es in jedem Jahr zu vermelden. So ist es auch zur ITB 2007. Die größte Tourismus- und Reisemesse der Welt wird ihre Tore öffnen vom 7. bis 11. März 2007. Standort ist das Messegelände unter dem Funkturm in der Bundeshauptstadt. 160.000 Besucher werden erwartet. 70.000 davon Privatbesucher, die sich auf den 10. und 11.März konzentrieren müssen. Die ITB ist in erster Linie eine Fachmesse.

Dem Privatmensch wird in diesem Jahr aber ein großes Programm geboten, die den Besuch der Urlaubswelt zum lohnenden Ereignis machen. „Indien ist überall“, so die Drohung von Leena Nandan, IAS Director Ministry of Tourism, Government of India. Fast empfindet das Publikum bei der Eröffnungspressekonferenz eine indische Bedrohung, muss dann aber doch lachen. Indien hat investiert, in Image-Werbung. Im wahrsten Sinne des Wortes, Indien ist überall zu finden während der ITB, nicht nur auf der Messe, sondern auch auf dem Weg nach Berlin. In den Board- Magazinen der Airlines, in den Hotels, auf Plakaten. Dieses faszinierende Land hat es sich zur Aufgabe gemacht den Tourismus zu steigern und mehr Europäer in den Subkontinent zu ziehen. Bei den Firmen klappt es doch auch, berichtet die hoch erfreute Botschafterin der Republik Indien in Deutschland I. E. Meera Shankar, vier Automarken sind in den vergangenen Jahren neu auf den indischen Markt gekommen, darunter BMW und Volkswagen.

Viele Kulturpartnerschaften bietet die ITB in diesem Jahr, Gutscheine werden auf dem Gelände verteilt, mit denen kommt man günstiger, etwa in den Zoo. Dort fand dann auch die erste Veranstaltung zur Information der Medien statt. Der Zoo bietet eine Indien-Erlebnisführung. Der Weg durch den artenreichsten Zoo der Welt führt vorbei an indischen Tigern und heiligen Kühen bis hin zu den legendären Elefanten. Wer den Zoo in diesen Tagen besucht, so ein weiteres Gerücht, kann einen Gutschein erhalten, mit dem er umsonst auf die ITB gelangt. Feine Idee, suchen. Wo es den Gutschein genau gibt, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Erstmals wird es so genannte Fastlanes für das Publikum geben. Der Weg führt vorbei an den Kassen, direkt auf das Gelände. Das Geheimnis: Eintrittskarten selber gedruckt über das Internet. Auch eine Medienpartnerschaft ist neu im Angebot. Partner ist das Reisemagazin Vox-Tours. Moderatorin Judith Adlhoch wird am Wochenende live auf der Messe moderieren und für die VOX-Sendung produzieren, so das versprechen. Vorab im Zoo berichtete sie dann schon von dem außergewöhnlichen Land, in dem sie bereits mehrfach gedreht hat, ohne es in seiner Komplexität vollständig zu verstehen. Inder sind immer im Bild, so weis sie zu berichten, ist die Kamera an, werden sich die Menschen versammeln. Einmal, so Adlhoch, verfinsterte sich der Strand zunehmend, ein Wetterumschwung? – Der Himmel war weiterhin strahlend blau, aber die Traube von Menschen, die sich am Strand gebildet hatte warf ihren Schatten.

Indische Tricks, für ein gutes Leben

Indien hat ein kompliziertes religiöses Kastensystem. Fast Undurchdringbar in seiner Komplexität für den Durchschnittseuropäer. Eine weitere Reportage, so Adlhoch, begleitete eine junge Frau auf den Weg in ihre Ehe, es sollte die erste werden. Bevor die Ehe geschlossen wurde, ging es zu einem Priester, der die Zukunft vorhersagen sollte. Beliebt in Indien. Das Ergebnis: Die erste Ehe wird eine Katastrophe, die zweite dafür sehr gut. Der Auserwählte war den Tränen nahe, auch die Braut geschockt. Eine solche Situation ist in Indien kein Problem. Der Weg führte zu einem zweiten Priester, der die junge Frau kurzerhand mit einer Bananenstaude vermählte. Kaum war die Ehe geschlossen, nahm die Frau eine Manschette, köpfte die Staude und war frei für die zweite Ehe. Aber nicht nur Indien erwartet die Besucher auf der ITB. Wieder konnte die Messe eine Rekordbeteiligung bei den Ausstellern vermelden. 11.000 Aussteller aus 184 Ländern und Regionen. Das Wachstum der Messe hält an, das Gelände ist wieder ausgebucht. Die Absagen einiger Firmen konnten kompensiert werden. „Bauschmerzen bekomme ich erst, wenn die Zahl der teilnehmenden Ländern größer ist, als die bei den Vereinten Nationen gelisteten Staaten“, so Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW) und Präsident des Deutschen ReiseVerbands e.V. (DRV). Auch wenn die Welt inzwischen gern zu Gast bei Freunden ist, Deutschland reist weiter.

Freunde auf Gegenbesuch

Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister. Am liebsten weiterhin im eignen Land. Deutschland ist schön und bietet mit seinen Freizeitparks auch ein weltweites Erlebnis. Nicht nur die Miniaturwelten im Legoland in Bayern sondern auch die Tropen im Tropical Islands in Brandenburg gehören zu den Highlights. Aber auch das Ausland ist beliebt. Italien, Spanien, Portugal, Marokko, Asien und vor allem Südafrika bleiben im Trend. Zu den Verlierern gehörte im vergangen Jahr vor allem die Türkei. Urlauber verschreckt. Eine vor kurzem gestartete Werbekampagne zeigt aber bereits erfolge, so Laepple, die Buchungen nehmen wieder zu. Sehr zur Freude des DRV, der in diesem Jahr seine Jahrestagung in der Türkei abhalten wird. Die kürzlich ausgesprochene Reisewarnung der Landesanstalt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg verärgerte Laepple, da sucht eine Behörde scheinbar nach neuen Betätigungsfeldern um ihre Existenz zu rechtfertigen. Der DRV hält eine Reisewarnung auf Grund von bevorstehenden Wahlen im November in der Türkei für Blödsinn, so Laepple, solche Dinge sollen dem Auswärtigem Amt überlassen werden und dort wurde keine Warnung ausgegeben.

Aldi, Lidl, Tchibo

Auch einige Lebensmitteldiscounter sind inzwischen in das Geschäft mit dem Urlaub eingestiegen. Bei Aldi, Lidl und Tchibo etwa sind seit neusten Pauschalreisen käuflich zu erwerben, nachdem bereits in den Vorjahren Bahn-Tickets und Flugscheine im Sortiment zu finden waren. Hier sieht der DRV habe auch keine Gefahren für die Reisebüros, der Kunde nämlich hätte erkannt, dass es nicht nur um den Preis geht. Der Fokus ist stärker auf das Preis-Leistungsverhältnis verschoben worden. Das Urlaubsversprechen muss erfüllt werden, dafür zahlt der Kunde dann auch gerne mehr. Und im Übrigen, so Laepple, wenn die Discounter Reisen in das Programm aufnehmen, dann müssen wir überlegen, welche Sortimentserweiterung für uns in Frage kommt. Möglichweise findet sich im Reisebüro dann demnächst das Reisezubehör von der Sonnencreme und Badenhose, über Skiunterwäsche und Wanderstöcke bis hin zum Abendkleid für die Kreuzfahrt. Steht uns der „Erlebnisstore Urlaub“ kurz bevor.

Business on the run

Ein wichtiger Faktor in der Reisebranche bleiben auch die Geschäftsreisenden. 150 Millionen Geschäftsreisen wurden im vergangen Jahr gezählt, das bedeutete einen Umsatz von 46 Milliarden Euro. Die vielen Geschäftsreisen garantieren den Fluggesellschaften auch eine Grundauslastung. Ein weiterer beliebter Bereich sind Tagesreisen, von denen insgesamt 3,3 Mrd. im vergangen Jahr durchgeführt wurden, ob geschäftlich oder privat.

Typisch Deutsch

Harte Worte richtete Laepple an die Politik. Eine Forderung des DRV, die endgültige Aufgabe der Preisbindung in Reisekatalogen um Pauschalreisen künftig leichter zu Tagespreisen anbieten zu können. Auch der Verzicht auf die Feinstaubplaketten gehört dazu. Statt mit Anreizen für die Bevölkerung zu arbeiten, so Laepple, wird hier wieder ein Verbot ausgesprochen. Ein typisches deutsches Verhalten, statt der Bevölkerung etwas zu verbieten soll sie doch lieber zu einem umweltfreundlichen Verhalten umerzogen werden. Bei der Einführung, so das Beispiel, des bleifreien Benzins hätte es ja ach funktioniert. Durch Fahrverbote droht eine weitere Verödung der Innenstädte, meint Laepple. Auch der ADAC rät zunächst vom Kauf der Plaketten für die Umweltzonen, die seit 1. März eingerichtet werden dürfen, ab. Lediglich in einigen Gemeinden in Baden-Württemberg gibt es schon jetzt Umweltzonen.

Tags: Messe · NewsMARK # 004 - März/April 2007