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“Gute Pflege braucht mehr Zeit”

Mai 16th, 2008 · Keine Kommentare

bpa-Präsident Bernd Meurer äußert sich zur Pflegesituation in Deutschland. Pfingstmontag, der 12. Mai, war „Internationalen Tag der Pflege“ – Mehr Zeit für gute Pflege, so die Forderung. Es geht nicht nur um Waschen und Zähneputzen. Der Mensch gehört in den Mittelpunkt der Pflege, nicht die Bürokratie.  Der Bedarf ist gestiegen, aber die Klientel hat sich verändert. Pflege ist wichtiger als je zuvor.
„Gute Pflege braucht mehr Zeit! In den letzten Monaten, in denen zäh um den Inhalt der Pflegeversicherungsreform gerungen wurde, drohte leicht aus dem Blick zu geraten, dass professionelle Pflege mehr bedeutet als nur ‚Waschen‘, ‚Zähneputzen‘ und ‚Abrechnung im Minutentakt'“, erklärt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) zum „Internationalen Tag der Pflege“ am 12. Mai. Der Tag erinnert an den Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale, der Pionierin der modernen Krankenpflege.

„Vielmehr umfasst qualitativ hochwertige Pflege den respektvollen Umgang mit pflegebedürftigen Menschen und das Maß an liebevoller Zuwendung, das sie benötigen. Und genau dafür brauchen ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen mehr Zeit. Zeit für gemeinsame Spaziergänge und für Gespräche, die Vertrauen und Nähe vermitteln.“

Bernd Meurer weiter: „Diese Zeit ist nicht immer vorhanden, weil die den Einrichtungen zugestandene personelle Ausstattung oder der zugestandene Zeitumfang oft knapp bemessen wird. Da der bpa über 5.700 private Pflegeeinrichtungen vertritt, kennen wir die hohen psychischen und physischen Belastungen unserer Pflegekräfte, die damit verbunden sind. Und die Anforderungen steigen weiterhin.

Eine der Ursachen dafür ist, dass sich die Bewohnerstruktur der Heime stark verändert hat. So genannte „leichte Fälle“, Bewohner, dienur wenig Hilfe benötigen, gibt es in den meisten Pflegeheimen schon seit langem kaum noch. Zugenommen hat, auch in den Pflegediensten, die Zahl an Demenzkranken. Besonders diese Bewohnergruppe benötigt die volle Aufmerksamkeit der Pflegekräfte, um sich aufgehoben zu fühlen.“

Wie sehr sich die Situation geändert hat, zeigt auch eine jüngst veröffentlichte Langzeitstudie des Gesundheitsministeri-ums. Den Ergebnissen zufolge lebten Ende 2005 insgesamt rund 750.000 Menschen in stationären Einrichtungen. Die Zahl der Heimplätze hat in 10 Jahren nur um 17 Prozent zugenommen, die Zahl der pflegebedürftigen  Heimbewohner hat sich aber von 420.000 im Jahr 1994 bis 2005 auf knapp 640.000 erhöht. Das bedeutet einen

Anstieg von 50 Prozent. Trotz der mit dieser Entwicklung einhergehenden enormen Steigerung der Belastung hat sich die personelle Ausstattung in den letzten zehn Jahren verschlechtert. In der ambulanten Pflege klagen viele Pflegekräfte über die in Komplexen zusammengefassten Leistungen, die den individuellen Zeitbedarf der Pflegebedürftigen nur unzureichend abbilden.

 „Durch die veränderte Klientel entsteht ein anderer Hilfe- und Pflegebedarf, auf den unsere Einrichtungen im Rahmen der heutigen Möglichkeiten sehr differenziert reagieren, zum Beispiel mit neuen Konzepten und Tagespflegeangeboten“, erklärt der bpa-Präsident weiter. „Aber um zu sichern, dass auch in Zukunft professionelle, qualifizierte Pflege möglich ist, ist weitere Unterstützung gefragt. Jetzt muss die gesellschaftspolitische Brisanz des Problems erkannt werden. Und jetzt ist es an der Zeit, dass Politik und Gesellschaft über eine Neuordnung in der Priorität ihrer Werte nachdenken. Denn nicht irgendwann in Zukunft, sondern heute müssen die Weichen dafür gestellt werden, dass ein würdevolles und selbstbestimmtes Altern möglich bleibt.“

Aus NewsMARK #005 vom 13. Mai 2008 www.newsmark.de

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