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Das Kabel-Ghetto wird digital, verliert Jam FM 2010 seine analogen Kabel-Hörer?

Dezember 25th, 2009 · 1 Kommentar

[NM] Mit dem 1. Januar 2010 endet die analoge Kabelzeit für den Berliner Radiosender Jam FM, zumindest in den Kabel-TV-Netzen von Kabel Deutschland. Das Programm, das unter dem Claim „The Finest in Black Music“ über Jahre ein einzigartigen Musik-Mix aus Hip Hop, Soul, R&B und Rap-Musik präsentiert hat, wurde seit dem Sendestart am 15. Januar 1994 in erster Linie über die Kabelnetze vertrieben.

Noch immer bezieht der Sender, der bisher bundesweit über analoges UKW-Kabel-Radio verbreitet wurde, gut 2/3 seiner Hörer über diesen Verbreitungsweg. Nachdem der Sender im April 2003 in Saarbrücken eine UKW-Antennenfrequenz bekam, folgte kurze Zeit später auch Berlin. Der Sendebetrieb in Saarbrücken wurde nach wenigen Jahren von big FM übernommen.

Das Programm wurde einst von Experten der Black Music moderiert, unter ihnen befanden sich Größen wie Kenny B, Frank Nilson oder Torsten Williamson-Fuchs, Beate Dyballa, Oliver Springer und Jörg Wachsmuth, die heute noch für das Black Music Portal rap2soul tätig sind. Die Antennenverbreitung in Berlin führte allerdings zu Programmreformen, denen viele der Moderatoren geopfert wurden. In der Zwischenzeit wird ein Urban-Mainstream-Format unter dem Motto „Black & Dance“ für Berlin produziert, über die Kabelnetze läuft ein anders Format von Jam FM, das als „New Music Radio“ bezeichnet wird.

Der Sender ist seit 2007 zum sparen verdammt, heißt es in Foren, wurde längst unter die Kontrolle des Berliner Radiohaus unter Matthias Gülzow gebracht. Der Gründer und langjährige Geschäftsführer Frank Nordmann hat sich inzwischen aus dem Sender vollständig zurückgezogen.

Auf der Interseite von Jam FM findet sich auf die gravierende Veränderung bei der Kabelverbreitung nur ein bescheidener Hinweis. „Ab dem 1.1.2010 wird die analoge Verbreitung von JAM FM im Gebiet von Kabel Deutschland beendet und auf digital umgestellt – in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ändert sich hingegen bis zum 01.04.2010 nichts.“ Zu Ostern kommen dann auch die anderen Kabelnetzbetreiber dran, die zunächst die analoge Verbreitung beibehalten. Ist dies nun eine Kostenfrage von Seite Jam FM oder der Wunsch von Kabel Deutschland, zumindest das Fernsehen soll auch 2010 analog im Kabel vorhanden sein.

Fakt dürften aber lange Gesichter nach den Weihnachtsferien sein, die Fans können ihren Black Music Sender nicht mehr hören. Die über den Radio-Anschluss der Kabeldose angeschlossenen UKW-Anlagen werden verstummen. Das Signal wird nicht mehr geliefert. Zwar wird der Sender, wie auch weitere Anbieter, weiterhin angeboten, für den digitalen Empfang muss der Zugang über den Digitaldecoder genutzt werden, an dem hängt der Fernseher. Spätestens zur Bundesliga wird der Hip Hop der Jungs der Sportschau unterliegen. In den meisten Haushalten wird nur noch Radio oder Fernsehen möglich sein, zumal meist auch nur ein DVB-C-Empfangsteil, das für das Haupt-Fernsehgerät, in den meisten Haushalten vorhanden ist.

Zunächst sieht es also nach dem digitalen Tod des Senders aus, zumal Radio hören über das eingeschaltete Fernsehgerät nicht annährend soviel Spaß macht, wie über die klangoptimierte Stereo-Anlage im eigenen Jugendsender. Für die betroffenen Radiosender bedeutet dies auf jeden Fall zunächst einen massiven Verlust von Hörern, da ist auch die Möglichkeit des Empfangs über Satellit oder Internet eine bescheidene Alternative. Der ungewollte Nebeneffekt sind dann auch Einnahmeverluste durch zurückgehende Hörerzahlen, die sich direkt auf die Werbepreise auswirken.

Ob Deutschland schon reif für die endgültige Digitalisierung des Kabelradios ist, das bleibt zu bezweifeln. Festgestellt werden kann: 2010 ist das Ende des analogen Sendebetriebs im Radio für Kabelkunden, zumindest bei Jam Fm.

Jam FM ist nur ein Sender, auf dessen Frequenz in Zukunft Stille zu hören ist. In seiner Heimatstadt Berlin hat der türkissprachige Radiosender Metropol FM bereits 2009 vorgemacht, wie man seine Hörer im Kabel verliert. Obwohl über UKW-Antenne in Berlin zu empfangen, wurde die qualitativ bessere Kabelausstrahlung eingestellt, das Kabel-Radio abgeschaltet. Schwierigkeiten beim Empfang konnten die Hörer digital ausgleichen. Selten wird hierfür das digitale Kabelnetz genutzt, sondern gleich ein anderes attraktiveres Musikangebot über Internet genutzt.

Ob Jam FM die begleitende Ausstrahlung seines Programms im Berliner Kabel auch einstellt, ist nicht klar. Verwunderlich wäre es nicht, zumal Metropol FM es vorgemacht hat. Spätestens mit der Einführung von DVB-T wurde zumindest in Berlin der Grundsatz aufgegeben, im analogen Kabel auch die über Antenne empfangbaren Programme vorzuhalten eingestellt. In Berlin mit 30 UKW-Radiosendern und über 30 TV-Programmen über DVB-T ist dies ein attraktives Angebot.

Steigende Kosten und spannende Alternativen haben bereits bei einer Reihe von Hauseigentümern zur Kündigung der Kabelversorgung geführt. Der Versuch der Mieter sich dann bei Kabel Deutschland selber eine Kabelversorgung zu beauftragen scheitert zumeist an fehlendem Kundenservice des Anbieters. Fälle sind bekannt, in denen Aufträge nicht umgesetzt wurden, trotz eines fehlenden Kabelanschlusses Gelder für nicht vorhandene Leistungen abgerechnet wurden und von noch bestehenden Einzugsermächtigungen einfach nicht vereinbarte Zahlungen abgerufen wurden. Der genervte Kunde wird von der Kundenhotline nicht bedient, mit Mahnungen überschüttet, erhält Post von Anwaltskanzleien und Inkasso-Unternehmen. Ehemalige Mitarbeiter von Kabelanbietern haben gegenüber der NewsMARK-Redaktion bestätigt, dass es vor allem im Kundenservice massive Probleme gibt. Am Ende meldet sich dann vielleicht der Vermittler, der den ursprünglichen Vertrag geschlossen hat und möchte einen nicht vorhandenen Kabelanschluss abschalten. Sein Rat, bei weiteren Problemen mit seinem Arbeitgeber soll sich der Kunde an den Verbraucherschutz wenden, jedenfalls bei Kabel Deutschland ist die Kommunikation zwischen Außendienst und Innendienst auf null zurückgefahren, auch das hat NewsMARK herausfinden können.

Tags: Medien- und Marketingmix · Medienbranche