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Türken haben Sarrazin-Debatte kaum wahrgenommen und fühlen sich in Deutschland gut integriert

September 29th, 2010 · 2 Kommentare

[NM] Das Thema Thilo Sarrazin scheint an den in Deutschland lebenden Türken vorbeigegangen sein, eine deutliche Mehrheit der türkischen Migranten fühlt sich in Deutschland auch gut integriert. So die Ergebnisse einer bundesweit durchgeführten Untersuchung des Berliner Marktforschungsinstitutes Data 4U. Mitte September 2010 hatten die Marktforscher 1.083 repräsentativ ausgewählten türkischstämmigen Migranten in Deutschland telefonisch befragt. Immerhin 84 Prozent der türkischstämmigen Befragten antworteten, dass sie sich persönlich „eher gut“, „gut“ oder sogar „sehr gut“ in Deutschland integriert fühlen. In der Gruppe der unter 30-jährigen Deutsch-Türken war die Zustimmung sogar bei über 90 Prozent. Von einer Wahrnehmungsdifferenz beim Thema Integration zwischen Deutschen und ihren türkischen Mitbürgern spricht Joachim Schulte, Geschäftsführer der Data 4U.

Die Äußerungen und Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ haben aktuell die Integrationsdebatte ausgelöst. Dennoch halten etwa zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) auch die gesamte türkische Community in Deutschland für überwiegend gut integriert. Auch hier gibt es mit 73 Prozent bei den jüngeren Deutsch-Türken deutlich höhere Werte, aber auch 61 Prozent der über 50-jährigen Türken in Deutschland (TiD) hält sich im Großen und Ganzen für gut integriert.

Zu den Mitinitiatoren der Umfrage gehört auch Dr. Murat Erdogan von der Hacettepe Üniversitesi Ankara, der momentan als Gastwissenschaftler an der Humboldt Universität in Berlin tätig ist. Erdogan spricht von einem positiven Zeichen für die gemeinsame Zukunft in Deutschland und erklärt: „In Deutschland diskutiert man überall die Integration der Türken, aber niemand wusste was und wie die Türken selber darüber denken. In diesem Sinne ist diese Studie sehr wichtig und sehr nötig.“

Schlechte Karten gibt es für Thilo Sarrazin, sein Buch ist in der türkischen Zielgruppe wohl größtenteils nicht wahrgenommen worden. Gerade einmal 38 Prozent der Türken in Deutschland haben überhaupt von der „Sarrazin-Debatte“ gehört oder diese in den Medien verfolgt. Bessere Werte gibt es für die türkischen Männer, die zur Hälfte diese Debatte verfolgten, während nur etwa 30 Prozent der türkischen Frauen etwas von den Thesen Sarrazins wahrgenommen hat. Ein erstaunliches Ergebnis? Die türkischstämmige Geschäftsführerin der Data 4U, Umut Karakaş, erklärt das Ergebnis: „Aufgrund wichtiger innenpolitischer Ereignisse, [Abstimmung über Verfassungsänderungen in der Türkei, Anm. der Red.] fand die Sarrazin-Debatte in den türkischen Medien kaum statt. Viele meiner Landsleute, insbesondere ein großer Teil der türkischen Frauen lebt in Deutschland noch immer sehr zurückgezogen, nutzt fast ausschließlich türkische Medien und nimmt am deutschen gesellschaftlichen Diskurs immer noch zu wenig teil.“

 

Die aktuelle Integrationsdebatte ist Gift für die Stimmung zwischen Deutschen und Türken meinen 21 Prozent der Deutsch-Türken, und 62 Prozent von denen, die die Debatte um Sarrazin wahrgenommen haben, fühlen sich von ihm persönlich beleidigt bzw. angegriffen.

Diese scheinbar widersprüchlichen Ergebnisse ihrer Studie kommentiert Karakaş weiter: „Es ergibt sich die dringende Notwendigkeit, mehr über die jeweiligen Denkweisen der Deutschen und Türken zu erfahren. – Hier sind insbesondere deutsche, aber auch die türkischen Medien gefordert.“

Tags: Marketing und Kommunikation